In Fertigungsbetrieben wurden über Jahre hinweg neue Technologien eingeführt, um die Produktivität zu steigern, Anlagen zu verbinden und Remote-Betrieb zu unterstützen. Im Ergebnis sind viele Umgebungen heute komplexer denn je.
Unsere aktuelle Umfrage unter Führungskräften in der Fertigungsbranche zeigt, dass 60 % der Entscheidungstragenden nicht vernetzte Tools und Systeme als eine ihrer größten betrieblichen Herausforderungen sehen. Mehr als ein Drittel nennt zudem Risiken in der Cybersicherheit, Fachkräftemangel und betriebliche Ineffizienzen.
Nichts davon ist überraschend. Moderne Produktionsumgebungen befinden sich meist im Wandel. Neue Technologien entstehen neben Legacy-Systemen. An verschiedenen Standorten kommen unterschiedliche Tools zum Einsatz, und mit dem Wachstum steigt die Komplexität weiter.
Während fragmentierte Systeme in der Fertigungsindustrie durchaus Sorgen bereiten, scheinen sie selten Auslöser für organisatorische Veränderungen zu sein. Was ein Umdenken tatsächlich auslöst, erfahren Sie in diesem Artikel.
In diesem Artikel:
- Hersteller wissen, dass fragmentierte Systeme ein Problem darstellen
- Warum operative Herausforderungen selten Wandel bewirken
- Der wachsende Druck durch Sicherheits- und Compliance-Anforderungen
- Transparenz und Visibilität sind wichtiger denn je
- Worauf Führungskräfte in der Fertigungsbranche jetzt achten sollten
Hersteller wissen, dass fragmentierte Systeme ein Problem darstellen
Die Umfrage zeichnet ein klares Bild. Auf die Frage nach den größten Herausforderungen in der Fertigung nennen:
- 60 % nicht verbundene Tools und Systeme
- 40 % eingeschränkte Visibilität von Maschinen und Systemen
- 37 % Cybersecurity- und Compliance-Risiken
- 37 % geringe Produktivität oder Ineffizienz
Diese Herausforderungen stehen offensichtlich in Verbindung. Wenn Systeme nicht zusammenarbeiten, wird es schwierig, die Abläufe im Blick zu behalten. Häufige Tool-Wechsel, die Suche nach Informationen und manuelle Prozesse kosten sehr viel Zeit.
So bringt es einer der Befragten auf den Punkt:
„Trotz zahlreicher Tools fehlt es an echter Transparenz z. B. in Form von Dashboards.“ (CISO IT-Manager, Enterprise Automotive)
Wenn Sie jetzt zustimmend nicken, stehen Sie nicht alleine da: Vielen Herstellern ist schmerzlich bewusst, dass Fragmentierung sie ausbremst. Überraschend ist allerdings, dass dieses Wissen allein selten ausreicht, um echten Wandel zu bewirken.
Warum operative Herausforderungen selten Wandel bewirken
Hier ist das interessanteste Ergebnis der Umfrage: Obwohl 60 % der Befragten angeben, dass nicht verbundene Tools eine große Herausforderung darstellen, geben nur 7 % an, dass sie Auslöser für eine Änderung ihres Remote-Access-Ansatzes sein würden.
Zum Handeln zwingen würden sie dagegen:
- Anforderungen der Cybersicherheit (17 %)
- Compliance-Anforderungen (10 %)
- Anforderungen von Cyberversicherungen (10 %)
Viele Organisationen scheinen also mit Ineffizienzen leben zu lernen. Sie entwickeln Umgehungslösungen und umgehen viele Probleme manuell. Komplexität wird dabei als Teil des operativen Betriebs hingenommen.
Risiken sind dagegen etwas anderes. Sie lassen aufmerken. Nicht nur Führungsteams, sondern auch Wirtschaftsprüfer, Versicherer und Aufsichtsbehörden.
Dieses Ergebnis deckt sich weitgehend mit den Erfahrungen, die Felix Wirthmann, Director Product Management bei TeamViewer, in Gesprächen mit Herstellern macht. Oder wie er es in seiner aktuellen Q&A formuliert:
„Konsolidierung ist ein wesentlicher Treiber, Regulierungen sind ein weiterer. NIS2, die europäische Richtlinie zur Sicherung von Netz- und Informationssystemen, ist ein echter Wendepunkt, denn wenn ein schwerwiegender Vorfall eintritt und die aktuellen Cybersicherheitsvorschriften nicht eingehalten wurden, kann das Top-Management persönlich haftbar gemacht werden.“
„Auch Cyberversicherungen,“ so Felix, „seien ein Treiber. Eines der Unternehmen, mit denen ich kürzlich zusammengearbeitet habe, wurde beispielsweise von seinem Versicherer direkt dazu aufgefordert, seine Cybersicherheit zu verbessern.“
Hersteller befassen sich seit Jahren mit fragmentierten Umgebungen. Was sich ändert, ist der genaue Blick auf Sicherheit und Governance. Vorschriften wie NIS2, wachsende Auditpflichten und strengere Anforderungen von Cyberversicherungen erhöhen die Erwartungen an Zugriffskontrollen, Risikomanagement und Verantwortlichkeit.
Infolgedessen fällt es Herstellern zunehmend schwer, nicht verbundene Systeme, eingeschränkte Visibilität und uneinheitliche Remote-Access-Ansätze zu rechtfertigen. Der Druck von außen wird zu einem stärkeren Katalysator für Modernisierung als die eigenen operativen Ineffizienzen.
Die Erkenntnis ist einfach: Operative Herausforderungen schaffen Bewusstsein. Doch Sicherheits- und Compliance-Anforderungen erzeugen echte Dringlichkeit und treiben zum Handeln an.
Der wachsende Druck durch Sicherheits- und Compliance-Anforderungen
Bei genauerer Betrachtung der sicherheitsrelevanten Herausforderungen zeigt sich ein weiteres Muster. Hersteller haben nicht in erster Linie mit dem alltäglichen Zugriff durch externe Anbieter zu kämpfen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, nachzuweisen, dass dieser Zugriff sicher, kontrolliert und überprüfbar ist.
Die folgenden Bereiche wurden am häufigsten als problematisch bezeichnet:
- Auditability- und Compliance-Anforderungen (33 %)
- Zugriff auf Legacy-Systeme (27 %)
- Remote-Zugriff für externe Anbieter (17 %)
Das ist relevant, weil viele Produktionsumgebungen nicht für die heutigen Sicherheitsanforderungen ausgelegt wurden.
Teams müssen häufig neuere Sicherheitsanforderungen wie NIS2 parallel zu Systemen managen, die bereits seit Jahrzehnten im Einsatz sind.
Das bedeutet, dass ein ursächlich operatives Problem schnell zu einem Governance-Problem werden kann. Denn je fragmentierter eine Umgebung ist, desto schwieriger wird es, Konsistenz, Transparenz und Kontrolle zu gewährleisten.
Felix drückt es so aus: „Wenn Sie zehn verschiedene Systeme haben, müssen Sie zehn verschiedene Systeme patchen, zehn verschiedene Systeme konfigurieren und sich mit allen auskennen. Das erhöht das Risiko von Fehlern und Sicherheitslücken.“
Transparenz und Visibilität sind wichtiger denn je
Visibilität erwies sich im Laufe der Umfrage als weiteres zentrales Thema. Nahezu die Hälfte der Befragten stufte sie sogar als Priorität ein. Gleichzeitig beklagen:
- 40 % der Befragten eine eingeschränkte Visibilität in Maschinen- und Systemabläufe
- 47% eine uneinheitliche Problembehebung
- 47 % einen Mangel an visueller Anleitung
- 67 % die Abhängigkeit von Expertensupport vor Ort
Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass viele Organisationen die Ursachen zwar erkennen, aber dennoch Schwierigkeiten haben, bei Problemen schnell zu reagieren.
Eine weitere Dimension erhält diese Herausforderung, wenn externe Anbieter, Auftragnehmende und Support-Teams Zugriff auf kritische Systeme benötigen.
Für Felix besteht der größte langfristige Mehrwert für viele Hersteller in Visibilität. Eine einheitliche Plattform ist oft der effektivste Weg, diese zu erreichen. Sie kann „bessere Aufzeichnungen, mehr Transparenz und ein klareres Bild davon bieten, wer von außen auf welche internen Assets zugreift“.
Worauf Führungskräfte in der Fertigungsbranche jetzt achten sollten
Wenn die Komplexität in Ihrer Organisation zunehmend unüberschaubar wird, sollten Sie sich zunächst einige einfache Fragen stellen:
- Wie viele verschiedene Zugriffs-Tools sind derzeit im Einsatz?
- Wo verursachen Audit-Anforderungen die größte Reibung?
- Welche Legacy-Systeme sind für die Verwaltung die größte Last?
- Können Sie problemlos erkennen, wer zu welcher Zeit auf kritische Systeme zugegriffen hat?
- Verfügen Teams über die nötige Transparenz, um Probleme schnell zu beheben?
Die Antworten werden meist bereits auf Möglichkeiten deuten, Komplexität zu verringern, Visibilität zu erhöhen und gleichzeitig die Sicherheit zu stärken.
Sicherheit wird zum Katalysator für Modernisierung
Hersteller stehen unter dem Druck, Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern. Wie unsere Umfrage zeigt, bewirken diese Ziele allein jedoch selten echten Wandel.
Stattdessen beginnt Modernisierung häufig dann, wenn Sicherheitsrisiken, Compliance-Vorschriften oder Versicherungsanforderungen die Aufrechterhaltung des Status quo erschweren.
Das ist es, was diesen Moment besonders macht. Fragmentierte Systeme bleiben eine Herausforderung. Doch immer mehr Hersteller betrachten sie inzwischen unter dem Aspekt von Governance, Visibilität und Risiko.
Und genau das macht aus einem langjährigen operativen Problem eine Geschäftspriorität.
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